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Abschied vom ewigen Außenminister

Mit einem Staatsakt wurde der langjährige Außenminister am 17. April 2016 verabschiedet. Die Beerdigung von Hans-Dietrich Genscher fand privat statt.

Kaum ein Politiker prägte die deutsche Außenpolitik über einen so langen Zeitraum wie Hans-Dietrich Genscher. Mit ihm starb ein großer und angesehener Politiker. Rund zwei Wochen nach seinem Tod wurde er dafür mit einem Staatsakt in Bonn geehrt – etwas ganz Besonderes für einen ehemaligen Minister.

Geboren im Jahre 1927 in einem kleinen Dorf bei Halle/Saale, erlebte Hans-Dietrich Genscher den Zweiten Weltkrieg in jungen Jahren – er wurde mit gerade 15 als Luftwaffenhelfer eingezogen und geriet auch in Kriegsgefangenschaft. Nach dem Krieg kehrte er in seine Heimat zurück, erkrankte aber schwer an Tuberkulose. Eine Krankheit, die ihn noch über einige Jahre begleitet hat. Dennoch studierte er Jura und bestand 1949 sein erstes Staatsexamen. 1952 gelang ihm die Flucht aus der DDR und zwei Jahre später erhielt er seine Zulassung als Rechtsanwalt.

Jetzt startete auch seine politische Laufbahn bei der FDP, ihm von 1969-1974 zum Bundesminister des Innern werden ließ. Unter den Kanzlern Helmut Schmidt, SPD, und Helmut Kohl, CDU, war er von 1974-1992 fast ununterbrochen Außenminister und Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland. Insgesamt 18 Jahre, so lange wie kein anderer vor und nach ihm, hatte er die Position inne. Besonders in Erinnerung bleiben wird der Satz „Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise …“. Er sprach ihn vom Balkon der Prager Botschaft und wurde von Jubel unterbrochen – denn er erlaubte tausenden geflüchteten DDR-Bürgern die Ausreise. Genscher starb am 31. März 2016 im Kreis seiner Familie an Herz-Kreislauf-Versagen.

Staatsakt für einen Minister

An seiner alten Wirkungsstätte, dem ehemaligen Plenarsaal des Bundestags in Bonn, der heute World Conference Center heißt, wurde sein Sarg aufgebahrt und mit der Bundesdienstflagge bedeckt. Rund 800 Gäste erwiesen ihm die letzte Ehre. Darunter waren auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, der damalige Bundespräsident Joachim Gauck, viele Weggefährten Genschers, Vertreter des Bundestags und Diplomaten.

Während der Trauerfeier hatte Gauck das erste Wort und ehrte einen Politiker und Menschenfreund, der „Prinzipientreue und Pragmatismus, langfristige Strategie und Erkennen des kurzfristig Gebotenen“ verbunden habe. Neben Gauck kam auch Genschers Parteifreund und Nachfolger aus Außenminister, Klaus Kinkel, zu Wort, ebenso James Baker, US-Außenminister unter George H. W. Bush und damit Amtskollege Genschers zu dessen Zeiten als Bundesaußenminister. Der evangelische Theologe und Publizist Friedrich Schorlemmer war ein langjähriger Freund Genschers und hielt die letzte Rede während des Staatsaktes.

Europahymne und Mozart

Die Klassische Philharmonie Bonn rahmte den Staatsakt musikalisch mit klassischen Stücke von Beethoven, Händel und Mozart sowie denNational- und Europahymnen ein.

Nach dem Staatsakt trugen sechs Soldaten den fahnenbedeckten Sarg aus dem Saal zum Wagen, musikalisch begleitet von einem Bundeswehr-Musikkorps. Die Beerdigung von Hans-Dietrich Genscher fand im engsten Familienkreis unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf dem Rheinhöhenfriedhof in Wachtberg-Ließem statt. Sie war nicht mehr Teil des Staatsaktes.

Das ZDF übertrug Trauerfeier und Staatsakt live, beides ist auch heute noch auf YouTube verfügbar.

Text: Hans-Joachim Frenz
Foto: © 360b/shutterstock.com

[BestattungsWelt, Ausgabe 05.2019]

Hans-Joachim Frenz

Hans-Joachim Frenz

Leiter Gesamtvertrieb