Das Leben und der Tod von Christo

Am 31. Mai 2020 starb der in Deutschland besonders durch die Verhüllung des Berliner Reichstagsgebäudes im Jahre 1995 bekannte Künstler Christo in seinem Haus in New York City. Sein letztes großes Projekt, die Verhüllung des Pariser Arc de Triomphe, das aufgrund der COVID-19-Pandemie um ein Jahr verschoben wurde, soll dennoch stattfinden.

Christo wurde am 13. Juni 1935 im bulgarischen Gabrowo unter dem Namen Christo Wladimirow Jawaschew geboren. Der Sohn einer griechischen Mutter und eines bulgarischen Vaters fiel schon früh durch sein künstlerisches Talent sowie seine Leidenschaft für große Stoffbahnen auf. Diese sollten ihn später weltberühmt machen. Nach seinem Studium in Sofia zog es ihn über Wien und Genf 1958 nach Paris.

Zunächst konnte er hier seinen Lebensunterhalt mit dem Zeichnen von Porträts verdienen – bis er beim Zeichnen der Frau des Generals de Guillebon ihre Tochter Jeanne-Claude kennenlernte und sich in sie verliebte. Bereits 1960 kam ihr gemeinsamer Sohn Cyril zur Welt. Sein künstlerisches Leben war eng mit dem Leben seiner Frau verknüpft, die am 18. November 2009 an einer Hirnblutung starb.

Erste Verhüllungen

Während seiner Zeit in Paris begann er auch damit, erste Gegenstände zu verhüllen. Das erste gemeinsame Projekt mit Jeanne-Claude realisierte er 1962: Das Projekt „Mauer aus Ölfässern – Eiserner Vorhang“. Ohne behördliche Genehmigung blockierten sie mit 89 Ölfässern im Juni 1962 die Pariser Rue de Visconti – als Antwort auf den Bau der Berliner Mauer in Deutschland. 1964 zogen sie nach New York, wo sie sich zunächst mit Ausstellungen von Christos Werken in bekannten Galerien über Wasser hielten. 1966 folgte das nächste Projekt – mit Stoffbahnen: ein 1.200 Kubikmeter fassendes Luftpaket. Hierauf folgten viele weitere Projekte, alle aus eigener Hand organisiert und finanziert, denn sie nahmen keine Aufträge mehr an. Es folgten immer größere Verhüllungsprojekte: 1969 ein Küstenstreifen in Australien, 1977 die Verhüllung einiger Kilometer Fußweg im Loose Park in Kansas City. Nach neun Jahren Verhandlungen mit dem Pariser Bürgermeister Jacques Chirac durften sie 1984 endlich ein lange Zeit geplantes Projekt umsetzen: die Verhüllung des Pont Neuf.

Verhüllung des Reichstags

Eine noch längere Vorbereitungs- und Genehmigungszeit brachte das Projekt der Verhüllung des Berliner Reichstagsgebäudes mit sich. Über 23 Jahre lang versuchten sie, Unterstützung und Genehmigungen für das Projekt zu erhalten, schrieben Briefe an alle Abgeordneten des Deutschen Bundestags und führten unzählige Verhandlungen und Telefonate. Im Februar 1994 erhielten sie nach einer Abstimmung im Bundestag endlich die Zusage für das Projekt, gegen das sich besonders Helmut Kohl und Wolfgang Schäuble gewehrt hatten. Über fünf Millionen Besucher sahen das Projekt. Seit 1962 planten Christo und Jeanne-Claude die Verhüllung des Pariser Arc de Triomphe – jetzt werden sie beide diese nicht mehr erleben. Die Realisierung war zunächst für das Frühjahr 2020 geplant, konnte aber aus Naturschutzgründen nicht stattfinden. Dann kam Corona. Aktuell ist die Ausführung für den 18. September bis 3. Oktober 2021 geplant. Eine schöne Erinnerung an zwei außergewöhnliche Künstler.

Bislang keine Trauerfeier

Über eine Trauerfeier oder Beerdigung Christos ist bislang leider nichts bekannt. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (SZ) sagte Christo hierzu im April 2019: „Nach dem Tod kommt nichts. Meine Frau hat kein Grab, ich werde kein Grab haben. Ich glaube an nichts. Lebe dein Leben und denk nicht daran, was dann kommt, denn es kommt nichts.“

Text: Hans-Joachim Frenz
Foto: © 360b/shitterstock.com

[BestattungsWelt, Ausgabe 04.2020]

Hans-Joachim Frenz

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Leiter Gesamtvertrieb